Pressemitteilung:

Träger-Rückmeldung zum Eckpunktepapier KiBiz NRW

Ulrich Gödde: „Ich beziehe Stellung zum neuen Eckpunktepapier KiBiz NRW. Grundsätzlich begrüßen Kita-Träger die Bestrebungen der Landesregierung, die Qualität der Kindertagesbetreuung in NRW zu erhöhen, Angebote noch bedarfsgerechter zu gestalten und Bürokratie abzubauen. Allerdings ist das vorliegende Eckpunktepapier unzureichend.“

Kritische Kernpunkte:

  • Trennung von Rand- und Kernzeiten greift zu kurz. In der Praxis sind Randzeiten kein bloßer „Puffer“; sie sind zentrale Phasen des Kita-Alltags. In diesen Zeiten pflegen Mitarbeitende intensiven Kontakt zu Eltern und bauen den Kindern pädagogisch durchdachte Brücken in Übergangssituationen. Die Annahme, die „Randzeiten“ könnten auch durch Ergänzungskräfte bzw. Nicht-Fachkräfte abgedeckt werden, wird nicht zu Entlastungen führen, sondern zu einer Unterwanderung des Fachkräftegebotes auf Kosten der Kinder. Kita ist ein Bildungsort und keine „Verwahranstalt“!
  • Das Land NRW verspricht, dass die Kindpauschalen auf dem bisherigen Niveau bleiben und nicht abgesenkt werden. Diese „Stabilitätsgarantie“ ist faktisch eine Kürzung der Gelder, denn die Sach- und Personalkosten sowie Mieten steigen immer weiter an!  Die aktuelle Situation in den Einrichtungen mit Betreuungseinschränkungen und Schließungen zeigt: Es braucht deutlich mehr Personal, um z.B. interne Vertretung bei Krankheit, Fortbildung und Urlaub zu gewährleisten. Auch die Umsetzung einer kindgerechten Pädagogik (mehr Kleingruppen, individuelle Förderung) benötigt mehr Personal in den Gruppen!
  • Der Eckpunkt „Finanzielle Überbrückung durch das Land NRW“ ist völlig unzureichend. Tarifliche Steigerungen dürfen nicht zeitverzögert nachempfunden werden. Sie müssen sofort und vollumfänglich ausgeglichen werden! Bisher bleiben die Träger auf den entstandenen Mehrkosten sitzen, die zwischen Tarifabschluss und Steigerung der Kindpauschalen entstehen. Der neue Vorschlag der Landesregierung sieht dies zwar abgeschwächt, aber weiterhin vor!
  • Die 45-Stunden-Buchungen sind aktuell finanziell und organisatorisch entscheidend, um einen zuverlässigen Tagesbetrieb der Einrichtung über die gesamte Öffnungszeit hinweg zu gewährleisten. Sie geben Trägern die notwendige Planbarkeit, ermöglichen Vollzeitstellen und gewährleisten qualifiziertes Personal über alle Phasen des Kita-Tages hinweg. Kleinteiligere Buchungszeiten gefährden das System. Eine verlässliche Finanzierung der Personalressourcen muss unabhängig von der variablen Inanspruchnahme der Betreuung gesichert werden.
  • Die „Kita-Formel“ und die Flexibilisierung der Gruppengrößen lassen viele Fragen offen: Bei der Gruppenstruktur darf der Fokus nicht auf der Ermöglichung von größeren Gruppen bzw. Überbelegung liegen. Vielmehr muss die Berücksichtigung kleiner Gruppensettings erfolgen. Diese sind für alle Kinder, insbesondere aber auch für sehr junge Kinder, Kinder mit Beeinträchtigungen, reizoffene Kinder oder Kinder mit sozial-emotionalem Förderbedarf geeigneter und ermöglichen individuelle Förderung, sichere Bindung und bessere Teilhabe aller Kinder am pädagogischen Alltag.
  • Finanzielle Förderung der Ausbildung von Erzieher*innen und Kinderpfleger*innen ist unumgänglich, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die bisherigen Zuschüsse über das KiBiz und Förderprogramme waren nicht ausreichend und führen weiterhin zu weniger Praxisplätzen für Auszubildende in den Kitas. Hier vermissen wir im Eckpunktepapier eine klare Stellungnahme, dass Ausbildung vollumfänglich refinanziert werden soll. Außerdem finden wieder die akademischen Ausbildungen (z.B. duale Studiengänge der Kindheits- oder Sozialpädagogik) keine Erwähnung.
  • Weitere wichtige Themen finden keine Berücksichtigung im Eckpunktepapier, zum Beispiel der Erhalt von kleinen, eingruppigen Einrichtungen und Waldkindergärten, Inklusion, Investitionen, Instandhaltung oder Fachberatung,

Das neue KiBiz NRW soll eine Balance finden zwischen finanzieller Verlässlichkeit für die Träger und der bestehenden Elternbedürfnislage nach flexibler sowie verlässlicher Betreuung. Dafür sind 200 Millionen Euro mehr im landesweiten System für 10.722 Kitas NRW nicht genug!

Es muss eine partizipative Einbindung von Wohlfahrtsverbänden, Trägern, Fachkräften und Eltern in den weiteren Diskussionsprozess geben, um praxisnahe Lösungen zu erarbeiten. Dies ist, entgegen der Behauptung des Landes NRW, bisher nicht ausreichend erfolgt!

Die Kita-Träger stehen für einen konstruktiven Dialog bereit und fordern eine transparente, praxisnahe Ausgestaltung des KiBiz NRW, die die Belange von Kindern, Familien, Fachkräften und Trägern gleichermaßen berücksichtigt.

Bielefeld, 02.10.2025

Ulrich Gödde
Vorsitzender der AG nach § 78 Kindertagesstätten in Bielefeld

Geschäftsleitung
SJD – Die Falken Kreisverband Bielefeld
Verein zur Förderung der Jugendarbeit e.V.
Falken Kindertagesstätten Bielefeld e.V.
Falken und Schule e.V.

Tel: 0521-329756-0

uli.goedde@diefalken-bielefeld.de
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